Jesus machte eine Pause an einem Brunnen und sprach mit einer Frau. Das war als sehr unanständig angesehen.
Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben.
Sie sagte: »Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser? Schließlich bin ich eine samaritische Frau!« Joh 4,9 HfA
Viele Prediger bezeichnen diese Frau als extrem sündhaft, weil sie fünfmal verheiratet und wer weiß wie oft geschieden war. Wir fallen in die Versuchung, sie als Flittchen zu verurteilen, aber Jesus verstand die Menschheit besser als die meisten Christen.
Zu dieser Zeit und in vielen Kulturen auch heute, durfte keine Frau ihren Mann einfach herausschmeißen.
Der Mann hatte das Sagen. Entweder war sie mehrmals abgelehnt oder immer wieder Witwe.
In vielen Kulturen heute und höchstwahrscheinlich in Samaria damals, sind alleinstehende Frauen als Freiwild angesehen. Eine fünfmal verheiratete Frau war vielleicht unschuldig, aber einfach unfruchtbar.
Scham und Schuld gehören oft zusammen aber Scham ist nicht Schuld. Jesus trug die extremste Scham, als er splitternackt am Kreuz hing, obwohl er total schuldlos war.
Vielleicht bist du missverstanden. Das kann ein sehr grausames und einsames Erlebnis sein und es kann lange dauern.
Ein deutscher Dichter beschreibt diese Erlebnisse mit tiefer Einsicht.Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Seltsam, Im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse war vielleicht etwas depressiv und das Gedicht ist sehr pessimistisch, aber er hat ein Körnchen Wahrheit aufgedeckt.